Wie gewaltfreie Erziehung gelingen kann

„Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafung, seelische Verletzung und andere entwürdigenden Maßnahmen sind unzulässig“. So besagt es das Bürgerliche Gesetzbuch seit 2000. Die Würde der Kinder darf nicht verletzt werden. Grenzen müssen gewahrt und beachtet werden. Denn die menschliche Würde ist universal.


Zu Pandemiezeiten auf eine harte Probe gestellt

Die Maßnahmen zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie bringen für manche Familien einen hohe Stressfaktor mit sich, welcher das Risiko für Gewalt erhöhen kann.

Eine Studie im November 2020 zeigte, dass jeder zweite der Befragten einen Klaps auf den Po als „absolut nicht schlimm“ empfindet und sogar jeder sechste eine Ohrfeige als „angemessene Erziehungsmaßnahme“ betrachte.

Unklar bleibt hier die Anzahl derer, die aus Überforderung körperliche Gewalt anwenden – im Affekt – wie es die aktuelle Lage begünstigt.

Wo beginnt Gewalt in der Erziehung?

Laut UNICEF beginnt Gewalt dort, wo kindliche Grundbedürfnisse nicht erfüllt werden. Jene Bedürfnisse sind: körperliche Unversehrtheit, Schutz, einfühlendes Verständnis und soziale Bindung, Wertschätzung, Anregung sowie Selbstverwirklichung. Sie kann beginnen, wenn Erwachsene Kinder nicht als eigenständige Persönlichkeiten respektieren, sondern Macht und Kontrolle über sie ausüben. Das kann bereits in den kleinen Situationen des Alltags sein: Zähne putzen unter Protest, laut werden, das Kind etwas harscher am Arm packen. 

Wie kann Erziehung ohne Gewalt gelingen?

In Konfliktsituationen geht es um das Wahrnehmen von Bedürfnissen der erziehenden Person sowie des Kindes.

  • Was brauche ich, was brauchst du?
  • Was steckt hinter diesem Verhalten?  
  • Welche Alternative könnte ich mit meinem Kind nun gehen?
  • Müssen wir so in den Kampf gehen?
  • Kann das Kind in dieser Situation noch kooperieren?

Das heißt, Eltern versuchen in Konflikten andere Lösungswege zu finden, als Strafen aller Art. Der Umgang auf Augenhöhe ist der Schlüssel, um mit den Kindern in Kontakt zu bleiben und somit das eigene empathische und feinfühlige Verhalten zu behalten.

Gerade in schwierigen Lebenssituationen oder einfach nur nach einem langen Tag passieren affektbasierte Handlungen. Wir werden laut, rasten aus.

Wenn dies passiert ist es nicht schön – aber menschlich. Es zeigt dem Kind authentisch: Hier ist meine Grenze erreicht. Wichtig dabei ist jedoch, die Gefühle der Kinder ernst zu nehmen und uns für das Gesagte zu entschuldigen sowie eigene Gefühle zu benennen. Bereits kleine Kinder können dies verstehen. Es hilft den Kinder die Situation nicht auf sich selbst zu beziehen und einzuordnen.

Strafen und Grenzen

Gewaltfreie Erziehung heißt auch ein Leuchtturm der Orientierung für Kinder zu sein.

Ein „Nein“ darf auch ein „Nein“ sein. Diesen Frust darf ein kleiner Mensch auch haben, OHNE dabei eine Strafe erwarten zu müssen.

Strafen hingegen verletzen unsere Kinder und haben daher keinen Platz in der gewaltfreien Erziehung.

Auszeiten, Liebesentzug oder auch Sanktionen aller Art verunsichern Kindern und geben ihnen das Gefühl von Hilflosigkeit. Sie funktionieren meist nur kurzfristig, da das eigentliche Bedürfnis unerkannt bleibt. Kinder lernen hier, dass stärkere Menschen, Schwächeren Leid zufügen dürfen. Frust und Aggression können dabei entstehen.

Bereits 1978 erwähnte Astrid Lindgren in ihrer Rede „Niemals Gewalt“ wie wichtig es ist, Kinder gut zu behandeln. Denn sie sind es, die zukünftig über Krieg und Frieden bestimmen werden.

Die Coronakrise birgt viele Risiken für Kinder auf unserer Erde. Doch vielleicht schaffen wir es unsere Kinder ohne Gewalt stark aus dieser Krise zu führen. Denn SIE sind es, die diese Welt gestalten und prägen werden.

 

Autorin: Julia Blasl, Dipl. Sozialpädagogin (FH), Mitarbeiterin in der Kinder- und Jugendhilfe der  Mobilen Ambulanten Pflegepartner GmbH & Co. KG – Münchner Kindl

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