Tag der gewaltfreien Erziehung: Elterliche Responsivität als Grundlage für eine gute Bindung

Die Kunst des Anwortens im Sinne einer gewaltfreien Erziehung

Heute ist der 30.04.2020. Ein Tag wieder jeder andere? Nein, heute ist der Tag der gewaltfreien Erziehung. Ein Tag der darauf aufmerksam machen soll, dass jedes Kind und jeder Jugendlicher das Recht hat, ohne körperliche und seelische Bestrafungen und Verletzungen wachsen zu dürfen.

Der nachfolgende Fachbeitrag soll zeigen, wie wichtig „Responsivität“, die Antwortbereitschaft der Eltern und sonstiger Bezugspersonen gegen über dem Kind, im Sinne einer gewaltfreien Erziehung ist. Im pädagogischen Setting nennt man dies auch eine auf das Kind abgestimmte Kunst des „Antwortens“.

Da sich Responsivität sowohl auf einzelne Personen, Subjekte, als auch auf Organisationen und Systeme beziehen kann, treffen alle nachfolgenden Aussagen nicht nur für die Beziehungsarbeit zwischen Eltern und Kind zu, sondern auch für jede Beziehungsarbeit zwischen dem Kind und anderen Bezugspersonen wie Erziehern, Tagesmüttern oder Lehrern.

Beziehungsarbeit die ein Leben lang prägt

Die Antwortbereitschaft der Eltern/Bezugspersonen gegenüber dem Kind ist enorm wichtig, um eine vertrauensvolle Beziehung und eine sichere Bindung aufzubauen. Es handelt sich also um Beziehungsarbeit, vom Erwachsenen zum Kind und eine Investition, die ein Leben lang prägt. Eine positive Interaktion bestärkt das Kind und unterstützt es darin, ein sozial kompetentes und selbstwirksames Individuum zu werden.

Die Art der Responsivität kann, als Ausdruck des Verhalten von Eltern gegenüber ihren Kindern förderlich sein, leider aber auch mit psychischer Gewalt (z.B. Missachtung und Erniedrigung) gleichgesetzt werden kann. Dies gilt sowohl in Eltern-Kind-Beziehung, als auch im Beziehungsgeflecht mit einer festen Bezugsperson, wie z.B. eine Erzieherin oder auch eine Tagesmutter.

Feinfühligkeit

Die „elterliche“ Responsivität zeigt sich vor allem im Grad der elterlichen Feinfühligkeit.

Feinfühligkeit im Sinne der Psychologin M. Ainsworth zeigt die Qualität der Reaktion auf eine kindliche Bedürfnisäußerung, also das Wahrnehmen, richtige Interpretieren und die prompte und angemessene Reaktion auf Signale, die das Kind aussendet. So ist das Wahrnehmen von kindlichen Bedürfnissen und die Antwort der Bezugsperson darauf der zentrale Punkt, wenn man von Responsivität spricht.

Diese Feinfühligkeit schließt auch die Antwortbereitschaft ein, sich mit dem Kind abzustimmen und „mitzuschwingen“. Das feinfühlige Verhalten der Eltern hilft beim Bindungsaufbau zwischen Kind und Bezugsperson.

 

Wenn die Kunst in der Kommunikation mitzuschwingen nicht umsetzbar ist

Kinder bringen schon vorgeburtlich bestimmte Fähigkeiten mit, die es ihnen möglich machen zu kommunizieren. Sie haben eine Wahrnehmungsfähigkeit (z.B. auditiv, visuell, gustatorisch), ein starkes Interesse an Kommunikation, Selbstregulationsmechanismen (an der eigenen Hand saugen) und eine gewisse Anpassungsfähigkeit an die Umwelt. 

Laut G. Hüther, einem Neurobiologen haben Kinder von Anfang, bereits im Mutterleib, den Wunsch zu wachsen und dazuzugehören, das heißt u.a. auch wahrgenommen zu werden. Dies können Eltern unterstützen, indem sie mit ihrem Kind wertschätzend kommunizieren und die Gefühle, die in jeder Kommunikation mitschwingen, „containen“ d.h. Gefühle mit Worte einordnen: „Ich sehe, du bist traurig“.

Leider erleben wir in unserer täglichen Arbeit nicht immer die notwendige und adäquate elterliche Reaktion auf die gezeigten Bedürfnisse der Kinder. Hier können psychische Erkrankungen, Belastungen durch erlebte Traumata, Suchtmittelkonsum und viele andere Dinge die Bezugspersonen als nicht responsiv erscheinen lassen bzw. kann die Responsivität nicht gelebt werden.

Als Folge dessen erlebt sich das Kind als nicht selbstwirksam, was oft schon im Säuglingsalter beginnt, wenn Kontaktangebote bzw. Bedürfnisse des Kinder, von Seiten der Erwachsenen, ignoriert oder destruktiv beantwortet werden. Meist setzt sich dieses destruktive Verhalten gegenüber den Kindern über die gesamte Kindheit und Jugend fort, was zu latenten Schäden des Selbstbildes führen kann und eine Form von psychischer Gewalt ist.

Die Folgen kann sich jeder selber ausmalen.

Videotraining als effektive und bindungsstärkende Methode

Eine sehr effektive und bindungsstärkende Methode ist die Entwicklungspsychologische Beratung (EPB). Hier wird mittels Videotraining die Interaktion zwischen Eltern und Kind beobachtet und auf die Bedürfnisse oder Beziehungsangebote, die das Kind innerhalb der Videosequenz zeigt, eingegangen.

Eltern lernen anhand der Bilder, die sie in Interaktion mit dem Kind zeigen, die Bedürfnisse der Kinder besser zu deuten und einzuordnen.  

Die Bezugspersonen überlegen sich mit der Trainerin mögliche Wege, responsiv auf ihre Kinder einzugehen und sie darin zu unterstützen zu selbstbewusste, fröhliche Individuen heranzureifen und sich geliebt und anerkannt zu fühlen.

So können Kinder und Jugendliche sicher und geborgen wachsen.

 

 

Autorin: Susanne S., Dipl. Sozialpädagogin (FH) und Supervisorin, Mitarbeiterin der Frühen Hilfen Schwabing-Freimann bei der Mobilen Ambulanten Pflegepartner GmbH & Co. KG – Münchner Kindl

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