Klischees über die ambulante Kinderintensivpflege – Was ist eigentlich dran?

Oft werde ich mit Vorurteilen über meine Arbeit in der ambulanten Kinderintensivpflege konfrontiert. Teils bringen mich die Aussagen zum Schmunzeln, teils stimmen sie mich nachdenklich und traurig, denn sie haben oft wenig mit der Realität zu tun. Ich habe mich bewusst in meinem Familien-, Bekannten- und Freundeskreis umgehört, um euch daran teilhaben zu lassen und aus meiner persönlichen Erfahrung heraus ein wenig aufzuklären.

Hier 10 Klischees die ich gern widerlegen möchte…

1. Du fährst von Patient zu Patient!

Nein, das tun wir nicht!

Diese These stammt wohl aus der ambulanten Krankenpflege. Für uns ist sie nicht zutreffend.

Wir arbeiten einen kompletten Dienst – im Durchschnitt 6 bis 8 Stunden – ausschließlich bei einem kleinen Patienten.

2. Jeder Tag ist bei dir gleich!

Definitiv nein!

Natürlich gehören einige Aufgaben zur täglichen Pflegeroutine, dennoch sind die Tage mit den kleinen Patienten sehr abwechslungsreich. So begleiten wir sie in die Schule, in den Kindergarten, zu Arztterminen oder Untersuchungen im Krankenhaus, zu Familienausflügen und teilweise sogar in den Urlaub.

Wir beschäftigen uns jeden Tag intensiv mit ihnen, fördern sie nach ihren Möglichkeiten und Fähigkeiten, spielen, lachen, singen, kuscheln, gehen raus in die Natur… Wir haben es mit kleinen Persönlichkeiten zu tun, die, sowohl im Bereich der (intensiv-) pflegerischen Versorgung als auch pflegeunabhängig, ganz unterschiedliche Bedürfnisse haben. Langweilig wird es dabei nicht.

3. Du arbeitest dort, weil du keinen Job in der Klinik bekommen hast!

Hier kann ich natürlich nur für mich sprechen. Ich bin aber sicher, dass mir viele meiner Kolleginnen und Kollegen zustimmen. Denn Jobs gibt es in den Kliniken für Pflegefachkräfte wie Sand am Meer.

Ich habe mich ganz bewusst für die ambulante Kinderintensivpflege entschieden!

Ich möchte nicht mehr im Krankenhaus arbeiten, da für mich die Vorteile in meinem Job beim Kindl überwiegen. Einer der Hauptgründe ist die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

4. Dort arbeiten nur ältere Frauen. Männer? Fehlanzeige!

Zugegeben, wir brauchen tatsächlich keine Frauenquote! 🙂 Eine Vielzahl von Pflegestellen, vor allem bei Kindern, ist nach wie vor von Frauen besetzt, aber auch Männer gibt es beim Kindl einige und bei uns arbeiten sowohl Berufseinsteiger als auch „alte Hasen“. Ich selbst arbeite beim Kindl seitdem ich 22 Jahre alt bin.

5. Das ist doch kein anspruchsvoller Job! Kinder pflege kann doch jeder!

Wenn ich das höre, würde ich gern für einen Tag den Job tauschen. Jeder unserer kleinen Patienten hat besondere Bedürfnisse, viele von ihnen sind beatmet, tracheotomiert oder benötigen Sauerstoff und müssen permanent überwacht werden. Wir tragen vor Ort allein die Verantwortung, ohne, wie in der Klinik, einen Arzt im Hintergrund zu wissen, der uns im Notfall sofort zur Seite stehen kann. Ich empfinde unsere Arbeit als sehr anspruchsvoll. Ohne Fachwissen geht hier nichts!

6. Du verdienst doch in diesem Bereich richtig schlecht!

Klar, in Deutschland redet kaum jemand gern über sein Gehalt. Vielleicht kommen gerade deshalb diese Gerüchte in unserem eher unbekannten Arbeitsbereich auf. Auch in diesem Punkt kann ich in erster Linie natürlich nur für mich sprechen: Ich fühle mich keinesfalls schlecht bezahlt!

7. Man hat dort doch keine Aufstiegschancen!

Auch diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen. Speziell im „Kindl“ gibt es sehr gute Möglichkeiten sich beruflich weiterzuentwickeln, mehr Verantwortung zu übernehmen und „aufzusteigen“. So hat zum Beispiel jedes Patiententeam eine eigene Teamleitung – die sogenannte „Bezugspflege“. Darüber hinaus gibt es Bezugspflegementoren, Hygiene- und Sicherheitsbeauftragte, Fachbereichsleitungen, Medizinproduktebeauftragte und natürlich die Pflegedienstleitungen, die im „Kindl“ allesamt durch erfahrene Pflegefachkräfte besetzt sind, welche vorab bei den kleinen Helden gearbeitet haben. Auch die gegebenen Möglichkeiten, eigenverantwortlich Fortbildungen für Kolleginnen und Kollegen zu halten, finde ich toll.

8. Da hast du doch keine Zeit für die Patienten, nur Stress und Zeitdruck!

Im Gegenteil – in der 1:1 Betreuung haben wir sehr viel Zeit für die Pflege unserer kleinen Patienten – etwas, was ich persönlich sehr schätze. Natürlich kann es auch mal stressig werden, speziell wenn ein Notfall eintritt. Aber das gehört einfach zu unserem Job! Nicht umsonst werden wir regelmäßig auf enstprechende Situationen mittels Inhouseschulungen vorbereitet und geschult.

9. Oh Gott, da sieht man ja ständig nur Leid!

In der ambulanten Kinderintensivpflege versorgen wir kleine Patienten mit unterschiedlichen physischen und psychischen Erkrankungen. Natürlich ist das nicht immer leicht, aber wir ermöglichen ihnen und ihren Familien damit ein Leben zu Hause – oft als einzige Alternative zum jahrelangen Aufenthalt im Krankenhaus bzw. auf der Intensivstation, fernab der eigenen Familie. Die Kinder können durch uns Kindergärten und Schulen besuchen und an Familienausflügen teilnehmen. Das allein zaubert uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht. Manchmal müssen wir unsere kleinen Helden auch durch ihre letzte Lebensphase begleiten. Das ist ohne Frage schwierig und traurig. Unser Job ist aber keineswegs geprägt von Leid, sondern viel mehr von ganz tollen Momenten, Dankbarkeit und Erfüllung.

10. Ist doch egal wo du hingehst, alle Pflegedienste sind gleich!

Ein ganz entschiedenes NEIN! Es gibt große qualitative Unterschiede, was es sowohl für die betroffenen Familien als auch für die Pflegefachkräfte nicht einfach macht, den richtigen ambulanten Pflegedienst zu finden.

Ich für meine Person, bin sehr glücklich in der ambulanten Kinderkrankenpflege arbeiten zu dürfen und mit dem „Kindl“ seit vielen Jahren einen Arbeitgeber gefunden zu haben, der mir genau das bietet, was zu meiner Lebenssituation passt!

Autorin: Melanie M., Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin bei der Mobilen Ambulanten Pflegepartner GmbH & Co. KG – Münchner Kindl, Regensburger Kindl

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